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Die letzten Tage des Niklas Ladislav Groszenko (Autor: Empfohlen ab 16 Jahren!)

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(Plastik-Maschinengewehre, aus China, natürlich weiterhin frei ab 3 und verboten ab 18! Keine Panik, liebe Kleinkinder, darauf habe ich leider keinerlei rechtlichen Einfluss, wie auch auf sonst nix!!)

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Autorenvorwort:

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Wo er genau lebte und wann, und ob der Name authentisch ist, kann ich leider nicht sagen, denn

seine Geschichte entsprang einer Vision, die ich vor Jahren erlebte, als würde ich einen

Fernsehfilm sehen.

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Leider gab es keinen Sprecher in diesem "Film", der nähere Aussagen zum Ort der Geschichte

machte, die ohnehin in die Kathegorie "Märchen" einzustufen wäre.

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Während ich hier nun nach all den Jahren schrieb, kamen weitere Visionen hinzu. Immer wenn ich

"Niklas" schreiben wollte, sagte etwas "Michael" oder "Michail" zu mir.

Vielleicht war ja auch ich gemeint, doch ich heiße Claus, nicht Michael.

Kann also auch nicht sein.

Oder doch?

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Auch die Landschaft und Begebenheiten verwiesen immer mehr auf nordamerikanische

Landschaften, wie zum Beispiel Alaska und Klondyke, oder ähnlich hin.

Gab es einen Goldrausch im Uralgebirge?

Wanderten auch Russen schon um die Jahrhundertwende (ca. um 1850) nach Amerika aus?.

Trotzdem könnte die Geschichte auch ebenso gut aus Lappland oder anderen Orten stammen -

ehrlich, ich weiß es (noch) nicht!

Und ob es einen solchen Vorfall jemals überhaupt gab, ebenso wenig... .

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Zumindest so lange nicht, bis es Beweise für diesen, oder einen ähnlichen Vorfall gibt!

Vielleicht ist es auch einfach nur eine reine Spinnerei.

Doch egal, beginnen wir (ich mit dem Schreiben und Ihr mit dem lesen)...

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Die Geschichte vom Niklas...

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Niklas wohnte in einer kalten Gebirgsgegend, auf einem Berg, und es gab andere Leute, die unten,

in einem Tal, am Fuße dieses Berges, lebten und die er hin und wieder mit Fellen und Häuten

belieferte und bei deren Hufschmied er anfangs manchmal verschiedene Eisenwaren kaufte.

Vorwiegend kaufte er dort Eisenfallen für den Wildfang.

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Er war also ursprünglich und hauptsächlich Fallensteller und Jäger, zumindest für eine lange Zeit.

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Sein Haus, den Kamin, die Zäune, den Schlitten und selbst den Schaukelstuhl für seine geliebte

Lebensgefährtin hatte er damals selbst gebaut.

Niklas war also kein Unbegabter!

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Besonders aber bewunderten die Leute des Dorfes, welches bald schon eher einer Kleinstadt glich,

alljährlich den großen und schönen Schlitten, der dann dort auftauchte, und natürlich das große

Rentiergespann davor, wenn Niklas seine alljährlichen Einkäufe dort im Ort erledigte.

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Nebenher hatte er nämlich eine kleine Rentierzucht von etwa 10 Tieren, die er in der Regel als

Arbeitstiere nutzte, denn da es in seiner Umgebung meistens Winter war, also Schnee lag, zogen sie

oft den großen Schlitten von Niklas.

Pferde waren ihm zu teuer und nicht robust genug.

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Die Rentiere hatten ihn nichts gekostet, denn er hatte sie selbst gefangen.

Doch sie zogen nicht nur seinen Schlitten durch den Schnee, auch beim Ziehen gefällter Bäume

halfen sie ihm. Zum Beispiel, als er ganz am Anfang seine Berghütte baute.

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Oder auch zum Anschaffen des, meistens nötigen, Kaminholzes dienten sie ihm. Sie zogen damals

auch den Schlitten mit den schweren Steinen, als er den Kamin zu bauen begann, noch bevor sein

Haus stand. Wann immer er sie brauchte, waren sie für ihn da.

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Nur in allergrößter Not, und die gab es leider auch einmal, schlachtete er eines seiner Tiere, was ihm

damals sehr zu Herzen ging. Eigentlich waren die Rentiere nämlich seine besten Freunde unter

den Tieren. Sie waren nett, stark und darum auch nützlich und hilfreich. 

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Es war mittlerweile eines der ältesten Tiere, welches ihm damals die großen Baumstämme ziehen

half, als Niklas damals sein Haus baute, welches er eines Tages schlachtete.

Mindestens tausend mal bat er Gott um Vergebung dafür. Und selbst heute tat es ihm noch weh,

wenn er an diesen Tag zurück dachte. Doch es ging ums nackte Überleben, damals.

 

Einmal im Jahr, selten öfter, nahm Niklas den weiten Weg, von seiner Blockhütte ins Tal hinab,

inkauf, um seine Felle und Häute gegen die wenigen Waren, die er benötigte, zu tauschen.

Dann lud er alles auf seinen Schlitten und spann fast alle Rentiere vor diesem.

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Er tat es nicht aus unbedingter Notwendigkeit, sondern damit die Tiere es leicht hatten.

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Die Bergabfahrt war sowieso recht leicht, doch der Rückweg um so beschwerlicher. Auch wenn

der Schlitten auf dem Rückweg längst nicht so beladen war, so ging es doch an vielen Stellen

ziemlich steigend bergauf und der Weg kam ihn sehr viel länger vor.

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Als er etwa 50 Jahre alt war, starb ihm seine geliebte Lebensgefährtin unter den Händen weg.

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Von nun an musste er gänzlich alles alleine machen.

Essen zubereiten, Haus und Kamin fegen, Kleider nähen und flicken und vieles mehr.

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Nun gab es niemanden mehr, der seinen Mantel vom Schlachtblut reinigte und ebenso seine

Stiefel putzte und auch die übrigen Kleider reinigte.

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Da Niklas Prakmatiker war, färbte er seinen Mantel, die Hose und seine Mütze mit dem Schlachtblut

der Waldtiere, die er für das Überleben fing, und seine verschmutzten Stiefel und seinen Gürtel

machte er mit Kaminruß schwarz.

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Doch die Zeiten wurden schlechter und der Wald immer leerer.

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Es wurden immer mehr Menschen in der Gegend, die dort jagten und immer mehr Menschen von

ihnen benutzten die modern gewordenen, teuren Flinten, die Niklas so sehr hasste.

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Diese Flinten waren laut und verschreckten alle übrigen Tiere, und auch Menschen wie Niklas.

"Welch ein Unsinn, ein einziges Tier zu erlegen und alle übrigen Tiere in die Flucht zu schlagen.

So fängt man doch nur dieses eine Tier und sonst nichts!"

So waren die Worte von Niklas, als ihm beim Einkaufen neuer Fallen eines Tages eine der

neuartigen Flinten angeboten wurde.

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Doch solche Argumente wollte man unten im Tal nicht hören, wo Niklas bereits als "der Eigenbrödler

vom Berg" galt, manche benannten ihn auch nach der alljährlichen Festlichkeit, weil er jedes Jahr

nahezu pünktlich zum festlichen Tumult im Tal auftauchte.

Dies lag daran, dass Niklas das Tal von seiner Hütte aus erblicken konnte und so sehen konnte,

wenn es heller beleuchtet war als üblich.

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Viele Menschen bedeuteten für Niklas ebenfalls "guten Handel", auch wenn ihm das ganze

Spektakel und Gedränge eigentlich zuwider war.

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Wenn ihm die ortsansässigen Händler zu wenig für seine Felle boten, so konnte er sie auch

auf der Straße anderen Leuten anbieten (Straße ist gut: Matschwege aus Sand und Lehm, von

Schnee bedeckt!), da fand sich dann leichter jemand der gut zahlte.

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Doch allmählich wurde der Wald immer leerer und leerer, die talwärts gebrachten Felle deshalb

immer weniger und die Nachfrage drückte zudem den Preis.

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Immer mehr Menschen wollten nun die leichtere Webware aus Stoff tragen, die gerade Trend

der Zeit wurde, da nun irgendwo auf der Welt, günstig, auf maschinellen Webstühlen, dieses

"Zeug" hergestellt werden konnte.

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Wenn Niklas nun noch überleben wollte, so musste er sich schon sehr bald etwas einfallen lassen.

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Der Wald bot kaum noch Nahrung und Felle, und Holz konnte und wollte Niklas nicht in so großen

Mengen abholzen und ins Dorf liefern, wie es die potenziellen Abnehmer verlangten.

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Eines Tages, es war ein schöner Sommertag und die Fallenausbeute war wieder einmal schlecht,

saß Niklas mit seiner selbstgeschnitzten Pfeife im alten Schaukelstuhl auf der Veranda, das Tal im

Blick, als ihm die Idee kam: Wenn keine Tiere mehr im Wald sind, dann bastel ich eben welche!

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Zunächst kam ihm sein eigener Gedanke sehr verrückt vor! Doch andererseits... .

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Schnitzwerkzeuge hatte er ja bereits und auch Talent dazu, also fing er an.

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Im Andenken seines geschlachteten Rentieres schnitzte er zunächst dieses, dann noch eins und

noch eines und immer weiter. Dann kam ihm die Idee einen kleinen Schlitten zu bauen, so wie er

selber einen hatte.

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Und da es ein schöner Sommer und er gerade so schön im Schwung war, stand bald die ganze

Kleinstadt des Tales in Miniatur und aus Holz vor ihm.

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Die Dächer der Häuser waren mit Tierblut und andererseits auch mit Kaminruß und Feuer gefärbt,

sowie auch alle übrigen Dinge, die farblich gestaltet wurden.

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Wenn etwas grün werden sollte, rupfte er unweit vor seiner Tür etwas Gras und berieb das Holz.

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So verbrachte Niklas viel Zeit mit Schnitzen auf der Veranda und als es zu kalt wurde holte er den

Schaukelstuhl wieder ins Haus und schnitzte vorm Kamin weiter, oft bis spät in die Nacht.

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Natürlich ging er auch seiner üblichen Arbeit nach, doch wenn es nichts zu gerben gab, die Tiere

versorgt waren und noch kein Loch ins Strohdach gefault war, kurz, wenn es nichts anderes zu tun

gab, dann schnitzte er.

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Bald nun war es tiefster Winter, die Hütte war voll mit Schnitzereien und das Leuchten im Tal zeigte

Niklas an, es war so weit!

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Natürlich kannte man im Tal Holzschnitzereien und auch Holzspielzeug, aber solches noch nicht.

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Niklas lud seine verhältnismäßig wenigen Felle auf seinen Schlitten und füllte einen alten Sack voll

mit seinen Schnitzereien, den er ebenfalls auflud.

Nun ging es mit seinem Gespann und "heyhoo" und voller Hoffnung ins Tal hinab.

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Doch beim Händler war die Enttäuschung zunächst sehr groß:

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"Natürlich kann ich dir etwas dafür geben, Niklas. Aber das ist viel zu viel Schnitzwerk und

Kinderkram! Das werde ich hier doch garnicht los. Selbst wenn es ganz gut aussieht! Und

letztendlich: Wem nutzt denn das etwas? Menschen wollen Essen, Kleider, Häuser. Sie brauchen

Werkzeuge und Waffen. Das da ist Spielzeug... ! So etwas braucht keiner ernsthaft! Also von mir aus

kannst du den Kram zwar hierlassen und ich sehe mal, was ich damit anfangen kann, aber was du

verlangst, das kann ich dir dafür nicht geben. Nicht einmal die Hälfte!"

 

Die Augen des Händlerjungen, der mittlerweile von hinten in den Laden gekommen war, glänzten

förmlich - so schönes Spielzeug hatte keiner im Dorf, und auch noch nie je gesehen.

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"Na gut, wenn das alles nur KRAM ist, dann nehme ich es auch wieder mit! Ich will dich ja nicht unnütz damit belasten. Dann versuche ich es eben draußen, auf der Straße...!"

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"Wie du meinst, Niklas, das sind deine Sachen und auch ganz allein deine Entscheidung. Tut mir leid, wenn du nun verärgert bist. Ich muss auch von etwas leben. Ich wollte nur nicht, dass du dich mit den Sachen den weiten Weg den Berg hochquälen musst."

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"Aber Papa, schau doch mal, den Hirsch! Den möchte ich haben..." fiel der Junge ins Wort,

während Niklas schon die Sachen vom Tresen wieder in den Sack einzupacken begann.

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"Wenn du wüsstest, was der alte Mann dafür haben möchte... ! Lege es bitte zurück!" sagte

der Händler seinem traurig blickenden Jungen, welcher dazu nur zögerlich ansetzte.

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Niklas schaute auf und sah den traurigen Blick: "Den darfst du behalten, das andere nicht!"

sagte Niklas darauf mit leicht raunziger Stimme.

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"Na gut, ich bezahle dir den einen Elch oder Hirsch!" meinte der Händler zu Niklas.

"Willst du mich noch mehr beleidigen? Es ist ein Ren, der alte Rudolf, und ich habe es deinem Sohn

geschenkt! Der Junge hat mit der Sache nichts zu tun, das Kind kann nichts für seinen Vater. Lass

mich jetzt in Ruhe mit deinem Geld. Du hast doch nur so wenig davon. Und du musst doch sehen wo

du damit bleibst. Also, frohes Fest wünsche ich noch..." raunzte Niklas sichtlich verärgert, schwang

den großen Sack auf den Rücken und verließ den Laden.

"

Vor dem Laden lud er seinen Sack auf den Schlitten und ließ diesen offen. Er entnahm eine der

Schnitzereien und pries sie laut brüllend und mit Glockengeläute an.

Erst waren nur wenige Menschen interessiert, doch dies änderte sich ganz schnell, denn jeder, der

so ein "Spielzeug" von seinen Eltern gekauft bekam, prahlte damit bei den anderen Kindern.

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"Wo hast du das her?" fragten die einen und die anderen antworteten: "Das haben mir meine

Eltern bei dem alten dort drüben gekauft, der mit dem Schlitten und dem langen Bart...!"

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Der Kaufmann war sehr überrascht, als er das Treiben vor seinem Schaufenster sah.

Es dauerte kaum eine Stunde und Groszenko hatte seine Schnitzereien verkauft.

Was weniger begehrt und noch übrig war, verschenkte er an ein paar ärmere Familien. 

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Bevor er losfuhr sah er im Schaufenster dem verdutzten Händler noch einmal ins Gesicht und Niklas

konnte es sich nicht verkneifen, sein dunkles Ledersäckchen voller Geld kurz, leicht hoch zu werfen,

um die Münzen darin kräftig prasseln zu lassen.

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An diesem Tage kaufte Niklas dort nichts mehr ein. Das Allernötigste hatte er für seine Felle schon

bekommen und diesen Triumph wollte er sich nicht dadurch stören lassen, wie ein Bettler in den

Laden zurück gekrochen zu kommen, der sich dann dort seine "Almosen" wieder abknöpfen lässt.

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"Heyhoo" rief er laut, und schon bald verstummten schon die Glöckchen seiner Rentiere, in der

angehenden Dämmerung dieses kalten Wintertages. -

Für dieses Jahr war Groszenko mit dem Dorf fertig und er freute sich auf seinen warmen Kamin!

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Als er zuhause seine Einkünfte zählte stellte er fest, das er schon lange keine so hohen Einkünfte

mehr hatte, wie an diesem Tage. Es war sogar mehr als genug!

Durch diesen Erfolg bestätigt gesehen, schnitzte Niklas wieder das ganze Jahr über Holzspielzeug.

Natürlich ging er auch Fallenstellen, genau wie im Jahr zuvor und davor.

Doch, wie in den letzten Jahren zuvor, wurden es immer weniger Tiere, die er fing.

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Diesmal reichten seine Vorräte nicht einmal über den Winter bis hin zum Jahresfest und so musste

er notgedrungen ins Tal hinab, um dort Lebensmittelvorräte zu kaufen.

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Ein Rentier schlachten kam für ihn diesmal nicht in Frage, das hatte er damals nur dieses eine Mal

gemacht, weil seine Frau so schwer krank war und er bei ihr geblieben war, anstatt seiner üblichen

Arbeit nachzugehen. Das war in dem Jahr, als sie ihm starb.

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Also machte er sein Gespann bereit und sich auf den Weg ins Tal.

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Diesmal hatten es die Tiere leichter, denn Niklas nahm nur ein paar Felle und sein Geld mit.

Im Tal, kurz vor der Siedlung, traf er auf andere Schlittenführer, die nicht schlecht staunten,

wie schnell Groszenkos Schlitten mit den Rentieren war.

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Niklas kannte diese Leute nicht, die ihn nun ansprachen und umringten.

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Auch der Schlitten gefiel ihnen offenbar. Wo er den denn wohl her hätte und ob er ihn nicht

vielleicht verkaufen wolle. Den habe er selbst gebaut und den bräuchte er für seine Arbeit,

antwortete er den Leuten, die ihm sehr suspekt vorkamen.

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Alle hatten diese modernen Flinten bei sich, was Niklas ein wenig Angst vor einem Überfall machte.

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Sie selbst hatten Hundeschlitten und boten Niklas zudem ein Rennen an, weil sie im Gespräch mit

ihm herausgehört hatten, er wolle im Ort bestimmte Vorräte "kaufen" - also musste er wohl Geld

haben, zumal sie sich über die schlechten Pelzpreise unterhalten hatten.

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Doch nachdem er sich verabschiedete und klargelegt hatte, das er an keinem derer Vorschläge

interesse hatte, ließen sie ihn unbehelligt ziehen.

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Groszenko nahm erst einmal einen kräftigen Schluck Schnapps aus seinem silbernen Flachmann.

Seit der Ort gewachsen war, kamen immer mehr Fremde her und es gab Gerüchte über Räuber.

Ein Grund mehr, diese Gegend möglichst zu meiden.

 

Endlich angekommen, betrat Niklas den Laden, den, wo er immer kaufte und lieferte.

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"Wie, du Niklas?! Das ist aber ein ungewohnter Zeitpunkt! Was ist los?" meinte der Händler.

"Die Jagdtsaison war schlecht! Diese Felle sind alles, was ich bisher erbeutet habe!"

"Du weißt, der Kurs dafür steht im Moment recht schlecht..."

"Hab ich schon gehört!" fiel Niklas dem Händler launisch ins Wort.

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"Na schön. Und was brauchst du nun?" fragte der Händler erwartungsvoll.

"Den geräucherten Schinken, nein nicht den, den großen, da hinten aus der Ecke, ja genau den.

Ein Fässchen von deinem Schnapps, wie immer. Und was ist das da im Regal?"

"Das ist etwas ganz neues, Bohnen in haltbaren Blechdosen! Die halten viele Monate... ."

"Und soetwas soll schmecken? Die schmecken dann doch nach Blech!" meinte Niklas skeptisch.

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"Ich kann dir ja mal eine aufmachen und du probierst! Als mein alter Stammkunde ist sie für dich

natürlich umsonst!" meinte der Händler und holte ein Metallgerät hervor, dass Niklas noch nicht

kannte. "Was ist das denn?" fragte Niklas.

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"Ach so, das braucht man natürlich auch, wenn man die Dosen sauber öffnen will. Ist ganz neu

und wurde mir gleich mitgeliefert. Das ist ein Dosenöffner!"

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Niklas bekam einen kleinen Metall-Löffel und die geöffnete Dose in die Hand gedrückt und probierte.

"Mein Weib hat mir damals bessere vorgesetzt!" raunzte Niklas und meinte dann:

"Egal, die Zeiten sind dahin. Ich nehme 30 Stück davon, wenn sie nicht zu teuer sind! Und so einen

Aufmachapparat packe auch gleich dazu!"

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"So viele Dosen habe ich aber gar nicht davon da!" entgegnete der Händler und Niklas darauf:

"Dann nehme ich eben alle, die du hast... !" worauf der Händler seine Bedenken äußerte:

"Ich hoffe, du kannst das auch alles bezahlen, was du haben willst. Die paar Felle reichen da nicht!"

"Natürlich kann ich!" raunzte Niklas und ließ seinen ledernden Geldsack auf den Tresen krachen.

"Schon vergessen?" fragte er etwas triumphierend.

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"Oh nein, natürlich nicht. Und es tut mir auch aufrichtig leid, was damals zwischen uns vorgefallen ist.

Ich wollte sowieso noch mal mit dir darüber reden, geschäftlich meine ich. Leider sehen wir uns so

selten und ich komme hier schlecht weg. Der Laden, die Familie, Sonntags die Kirche - du

verstehst? Ich hätte dich sonst mal da oben besucht, um mit dir zu reden. Aber bei dir weiß man ja

auch nicht, ob du zuhause bist, oder gerade auf der Jagdt."

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"Du weißt doch selbst, wie es mittlerweile um die Jagdt bestellt ist. Schließlich verkauft ihr doch hier

im Ort ebenfalls diese Flinten, die uns die Tiere vertreiben, wenn sie nicht von immer mehr Fremden

getötet werden, die sich hier immer häufiger herumtreiben!" grummelte Niklas und führte fort:

"Natürlich bin ich deshalb schon mehr zuhause als draußen, draußen gibt es ja kaum noch etwas

zu jagen! Und Sonntags bin ich zwar nicht bei euch in der Kirche, aber am Sonntag zu ruhen hat

der Herr selbst für mich vorgesehen! Wärst du nur gekommen... ."

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"Nun gut, ich will nicht mit dir streiten, denn nun bist du ja hier. Ich wollte dich fragen, ob du noch

immer dieses Holzspielzeug bastelst. Ich habe ja damals gesehen, dass es doch ganz gut zu

verkaufen ist... ." fing der Händler freundlich an zu schmeicheln und setzte hinzu:

"Du bist ja sogar heute noch Gesprächsthema Nummer 1 deswegen! Viele Kinder haben ihre

Sachen zwar noch, aber manchmal kaufen sogar Erwachsene ihnen die Schnitzereien ab, wenn

sie hier auf der Durchreise sind. Ich selbst habe auch schon ein paar schöne Sachen aufgekauft

und mit kleinem Gewinn an Touristen veräußert."

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"Ja - Gewinn! Das sieht dir wieder ähnlich! Ja natürlich habe ich auch in diesem Jahr wieder

Skulpturen geschnitzt, oder >Holz-Spielzeug gebastelt<, wie du es nennst. Schließlich will

ich ja nicht wegen eurer Flinten verhungern! Und ich habe letztes Jahr soviel Geld verdient,

wie ich seit Jahren nicht von dir für einen ganzen Schlitten voller Pelze gesehen habe!" brummte

Niklas den Händler mit verbittert böser Mine an.

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Mittlerweile wirkte der schmächtige Händler auch plötzlich etwas kleiner, als der etwas beleibte Niklas

ihm dies, etwas über den Tresen geneigt, ziemlich nah ins Gesicht sah.

Es war so nah, dass der Händler den getrunkenen Schluck Alkohol in Niklas Atem riechen konnte.

 

"Und wie du wohl gesehen hast, hatte ich die Sachen damals sehr schnell selbst verkauft! Also,

wozu, zum Guguck, brauche ich dich dazwischen?! Ich mache es einfach wie im letzten Jahr!"

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"Verstehe mich jetzt bitte nicht falsch, Niklas, aber dafür muss man die Marktplatzgebühr bezahlen!

Im letzten Jahr hattest du nur Glück, nicht erwischt zu werden. Es hätte dich auch jemand anzeigen

können! Da hat vielleicht jemand ein Auge zugedrückt, weil es eine einmalige Sache war... ."

argumentierte der Händler.

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"Willst du mich jetzt etwa anzeigen oder erpressen? Ich habe gar keinen Marktplatz! Also muss ich

auch keinen Platz bezahlen! Ich habe einen Schlitten und sonst nichts!" wurde Niklas etwas laut.

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"Ja, du hast einen Schlitten, das stimmt! Und genau wie anderes Fuhrwerk auch, zählt dies als

Verkaufsstand! Und für Verkaufsstände muss man hier Marktplatzgebühren bezahlen, auch wenn

es dir nicht passt! Du kannst dich ja draußen an den Ständen erkundigen, falls du mir nicht glaubst.

Das ist nun mal das Gesetz: Marktrecht!" sagte der Händler zu Niklas, der nun mehr zu sich selbst,

vom Händler abgewendet, in Richtung Fenster leise brabbelte:

"Und ich dachte, Räuber gäbe es nur im finsteren Wald... ." und dann wendete er sich laut zurück:

"Das ist meine Arbeit, mein Schlitten... !" doch der Händler fiel ihm ins Wort:

"Und es ist der Platz der Stadtgemeinde, ob nun Straße oder Markt direkt! Wer etwas hier verkaufen

will, muss an die Gemeinde zahlen. So sind nun mal die Regeln!" 

 

Niklas bebte vor zorniger Erregung. Der Händler versuchte ihn zu beschwichtigen:

"Es ist doch gar nicht so teuer. Kaum ein Zehntel, von dem was du einnimmst... ."

Doch das erregte Groszenko noch mehr, und er brüllte fast: "Ein Zehntel?!"

"Nicht ganz, nur fast." sagte der Händler.

"Da schnitze ich mir 30 Tage die Finger wund, um einen Tag etwas vom eigenen Schlitten herab

verkaufen zu dürfen?! Was sind denn das für Gesetze?! Das ist Raub!" meinte nun Niklas verbittert.

 

"Das ist Gemeinderecht!" erwiderte der Händler und führte fort: "Wenn du mich belieferst, dann hast

du mit all dem Genehmigungskram und den Gebühren nichts zu tun. Und ich mache dir auch einen

fairen Preis für die Sachen. Versprochen!"

"Wir werden sehen!" erwiderte Niklas, "Ansonsten verbrenne ich lieber alles im Kamin!"

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Niklas sah sich in Gedanken schon mit neuer Flinte im Wald, allerdings nicht als Jäger, denn zu

jagen gab es ja kaum noch etwas, sondern als Räuber!

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Neue Fallen brauchte er in diesem Jahr nicht. Ein paar Kinder erkannten ihn auf der Straße und

fragten nach neuem Spielzeug, doch er versprach ihnen nichts.

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"Ich weiß nicht, ob es dieses Jahr damit etwas wird." hatte er ihnen gesagt.

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Er kaufte noch verschiedene andere Lebensmittel und ein paar Kleinigkeiten ein und verschwand ziemlich beladen wieder hinauf zu seiner Hütte.

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Nach einigen Wochen war es dann so weit.

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Diesmal lud Niklas keine Felle und Pelze auf seinen Schlitten, denn die paar wenigen, die er noch

hatte, brauchte er noch für sich selbst. Er nahm sein Säckchen Münzen für den Notfall mit, falls

der Händler wortbrüchig werden würde und das Schnitzwerk nicht ordentlich entlohnen wolle.

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Diesmal konnte er sogar zwei Säcke mit seinen Schnitzereien füllen, denn es war ein schlechtes

Fallenstellerjahr für ihn gewesen und er hatte deshalb viel mehr Zeit zum Schnitzen gehabt.

 

Als einige Kinder ihn am Ortsrand ankommen sahen, rannten sie hinter seinem Schlitten hinterher.

Ein paar sprangen auf die großen Kufen seines Schlittens und manch anderes Kind konnte kaum so

schnell laufen wie der Schlitten fuhr und wurde kurzweilig abgehängt.

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Doch als Groszenko vor dem Laden anhielt, bildete sich schnell eine Traube Kinder um seinen

wuchtigen Schlitten, so das er kaum abladen und den ersten, großen Sack, in den Laden tragen

konnte. Alle wollten etwas von dem besonders schönem "Spielzeug" haben.

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Der Händler drängte die, in den Laden gefolgten, Kinder heraus und verriegelte die Tür, um das

das Geschäftliche mit Groszenko in Ruhe regeln zu können.

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Dennoch war es sehr störend, dass sich draußen dutzende Kindernasen an den Scheiben platt

drückten, wissbegierig darauf, was Niklas diesmal aus seinem Sack hervorzaubert.

Auch der plärrende Kinderlärm von draußen störten den Händler wie auch Niklas.

Dennoch fühlte sich Niklas aber auch dadurch geschmeichelt.

Das Verhalten der Kinder versprach ihm einen guten Preis für die Holzspielzeuge!

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"Das ist deine Kundschaft, wenn du einen guten Preis zahlst!" sagte Niklas spöttisch zum Händler.

Und der spöttelte zurück: "Aber es sind deine Fans, so oder so!"

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"Da warst du ja wieder mal sehr fleißig! Sieht ja alles sehr gut aus." meinte der Händler, und Niklas:

"Ich war noch viel fleißiger. Auf dem Schlitten ist noch so ein Sack davon!"

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"Tja, das ist dann doch ein bischen viel..." meinte der Händler, und Niklas: "Hey, wer hat hier neulich

von wachsender Stadt und Touristen erzählt?! Geht jetzt wieder die Preisdrückerei los?!"

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"Nein, nein, so meinte ich es nicht!" entgegnete der Händler und sagte dann: "Ich bin mir nur nicht

sicher, ob ich dich auch dafür bezahlen kann! Ich könnte dir dein Geld natürlich gutschreiben."

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"Wie? Du verlangst, dass ich die Sachen hier lasse und ohne etwas gehe?" fragte Niklas, wobei sich

sein Blick schon wieder einmal verfinsterte.

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"Nein, natürlich nicht!" sagte der Händler: "Aber bei so vielen Sachen bleibt mir ja nicht einmal mehr

das Wechselgeld für die Kundschaft in der Kasse! Du kannst dir hier im Laden selbstverständlich

aussuchen was du willst... ." "Ich brauche nichts von deinem Kram, ich hab alles!" log Niklas und

stichelte: "Ich dachte, du seist ein wohlhabender Geschäftsmann! Und nun kannst du nicht zahlen?!"

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Der Händler senkte kurz den Blick, dann sah er zum Fenster, wo sich die Kinder noch immer die

Nasen platt drückten. Nach einer kurzen Überlegungspause meinte er dann:

"Natürlich kann ich dich bezahlen. Ich lasse dich jetzt erstmal raus und du holst den anderen Sack."

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Groszenko drängelte sich zum Schlitten durch, auf dem eines der Kinder schon aufgestiegen war,

den Sack geöffnet hatte und eines der Schnittswerke gerade hochhielt.

"Wir haben nichts geklaut. Ich hab nur den anderen gezeigt, was da alles Schönes drinnen ist."

"Das will ich für euch auch hoffen, sonst gibt es mit der Rute!" drohte Niklas, ohne es wirklich

ernst gemeint zu haben.

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Eigentlich hätte er gerne sogar selbst so eine kleine "Nervensäge" gehabt, doch aus irgend einem

Grund bekam seine Lebensgefährtin damals keine Kinder.

Was war damals falsch gelaufen? Hatte er sie nicht genug lieb gehabt und zuviel an die Arbeit

gedacht, ist sie deshalb vielleicht sogar so früh gestorben?

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Groszenko musste schnell an etwas anderes denken, um sich abzulenken.

Hier war nicht der richtige Ort um zu trauern und schon gar nicht vor all den Kindern!

Hier ging es ums Geschäft und darum, wie er im Wandel der neuen Zeit überlebt!

 

Niklas griff den offenen Sack, schwang ihn auf den Rücken und drängelte sich zurück zur Ladentür

durch, wo der Inhaber auf ihn gewartet hatte.

 

Schnell öffnete er die Tür, um sie ebenso schnell hinter Niklas wieder zu verschließen.

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"Wenn die Sachen genauso gut sind, wie die aus dem ersten..." doch Niklas fiel dem Händler ins

Wort: "Na, denkst du etwa in diesem Sack wäre Brennholz! Das ist genauso, wie das aus dem ersten

Sack! Du wirst dich ja gleich überzeugen können! Hier..." sagte Niklas und setzte den noch immer

offenen Sack vorsichtig vorm Tresen ab.

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Der Händlersohn war zwischenzeitlich auch unten im Laden erschienen, denn er hatte von seinem

Zimmerfenster aus den lauten Tumult, unten auf der Straße, wahrgenommen.

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Der Händler beäugte jedes einzelne Stück, während sein Sohn schon viele Sachen aus dem Sack

genommen hatte und abseits am Fußboden damit spielte, indem er eine Szenerie damit aufbaute.

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Als er das Treiben seines Kindes bemerkte, hielt er ein Spielzeug hoch und fragte den Jungen:

"Was sagst du?" Dessen Augen leuchteten gleich erneut, als wolle er seinem Vater auch dieses

Stück aus den Händen reißen, um es sodann gleich in seine Szenerie am Boden einzubauen.

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"Die Sachen sind toll, Papa! Schau mal, sogar eine Eisenbahn ist dabei... ." und er deutete auf

den Boden, wo zwischen Holztieren und Holzhäusern mitten drin eine Dampflok aus Holz stand

und hinten dran hatte sie sogar 3 kleine Passagierwagen.

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In dem Moment viel Groszenko auf, das sie gar keinen Kohle-Tender hatte. Aber eine Lok hatte

Niklas zuletzt vor etwa 30 Jahren gesehen, als er auf dem Weg hier her, in dieser, damals noch sehr

verlassen Gegend, war.

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Ein Rentier und ein alter, gebrauchter Schlitten... so fing alles an. Weit fuhr er zusammen mit seiner

Frau in dieses Land hinein, bis er die Hütten fand, in deren einer ein Schmied lebte.

Damals tauschte er mit ihm noch direkt Ware. Fleisch und Felle gegen Fallen, Messer, Äxte... .

Aber auch das hatte sich damals geändert, als der Kaufmann kam und einen Abnahmevertrag

mit dem Schmied abschloss. Seither sahen sie sich immer seltener und die einstige, innige

Freundschaft war somit nun eingeschlafen.

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Niklas gehörte damals zu den wenigen, die überhaupt mit voller Stolz behaupten konnten, jemals in

einem Zug gesessen zu haben. Ganz am Anfang war er sogar der Einzige, und im Tal gab es nur

wenige Hütten, bis immer mehr Menschen zugereist kamen und sich hier ansiedelten!

Das einstige Dorf wuchs immer mehr.

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Doch eine Eisenbahn gab es hier in der Nähe noch immer nicht. Und darüber war Niklas auch froh!

Eine Eisenbahn hätte nur noch mehr Menschen hierher gebracht und es waren ihm jetzt schon mehr

als genug. Wo viele Menschen sind, gibt es bald keine Waldtiere mehr! Manchmal nicht einmal mehr

einen Wald! Und Niklas liebte den Wald, die Natur, die Ruhe und das Jagen und Fallenstellen...

auch, wenn er das Tieretöten immer gehasst hatte. Aber es war seine Lebensgrundlage.

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"Also gut! Wenn der Junge das sagt, dann sollst du deinen fairen Lohn, also Geld, bekommen!" riß

der Händler Niklas aus seinen Träumereien von vergangenen Zeiten.

"Aber da reicht mein Kleingeld aus der Kasse natürlich nicht mehr für aus! Warte einen Moment hier,

ich muss mal eben in meine Wohnung." sagte er und verschwand in der Tür hinter dem Tresen.

Niklas hörte, wie der Händler eine Treppe erklomm, und kurz darauf kam dieser auch genauso

geräuschvoll wieder hinab.

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Dann legte er Groszenko eine Münze auf den Tresen, mit den Worten:

"Das hast du dir redlich verdient!"

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Groszenko staunte nicht schlecht. Die Münze sah zwar ganz gut aus, aber es war nur eine.

"Willst du mich verhöhnen? Dafür habe ich ein Jahr geschnitzt? Für eine einzige Münze?"

"Sie ist soviel wert, wie tausend von diesen hier!" und der Händler deutete auf eine derer,

die Groszenko bisher als größte Einheit bekannt war.

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"Wie kann diese eine Münze so viel wert sein, wie tausend andere?" fragte Niklas.

"Sie ist aus Gold!" war die prompte und trocken klingende Antwort des Händlers.

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Vermutlich hatte der Mann gerade eine Speicheldefizit, weil er selbst kaum glauben konnte, sich

nun von dieser Münze gerade, mehr oder weniger freiwillig, verabschieden zu müssen.

"Gold?" fragte Niklas skeptisch. "Reines Gold! Zumindest fast: 999-er!" war die noch trockener

klingende Antwort, mit dem Hinweis: "Wenn du drauf beißt, sieht man deine Zähne, so rein und weich

ist diese Münze!"

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Anstatt dies als Warnung zur Empfindlichkeit dieser Münze zu verstehen, nahm Niklas die Münze

vom Tresen und biss zu. Und tatsächlich konnte er seinen Biss am Münzerand erkennen.

Von Goldmünzen als Währung hatte er zwar schon gehört, aber eine gesehen, oder gar besessen,

noch nie.

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"Aber wenn die so viel wert ist, wo soll ich denn damit bezahlen? Das kann hier doch niemand

wechseln!" murrte Niklas, doch der Händler: "Die Bank kann es auf jedenfall! Da gibst du diese

Münze hin und bekommst 1000 von denen, und mit denen zahlst du wieder wie bisher." wobei

der Händler wieder auf eine der anderen Münzen deutete.

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"Bank?" murrte Niklas skeptisch fragend.

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"Letzten Sommer wurde eine dort drüben, am Ende der Straße, gebaut! Du brauchst nur

hinzugehen! Die tauschen dir dort die Münze ein." meinte der Kaufmann, ging zum Schaufenster

und zeigte auf ein Gebäude, das auf der anderen Straßenseite lag.

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"Na gut." meinte Niklas, "Dann fahre ich mal da rüber. Aber wehe, die lachen mich aus und ich

kriege nichts dafür, dann komme ich wieder und dann... - na, wirst schon sehen!" drohte er.

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Niklas fuhr die etwa 100 Meter mit seinem Schlitten zur Bank und staunte nicht schlecht, als man

ihm tatsächlich dort, wenn auch leicht knurrig, satte 1000 Münzen auszahlte.

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"Wollen sie nicht ein Bankkonto eröffnen?" wurde er gefragt und der Bankier beäugte vorwufsvoll,

das "angenagte" Goldstück, doch Niklas wollte nur gewechselt haben.

Über die Wechselgebühr war Niklas natürlich nicht begeistert, nahm sie aber murrig in kauf,

füllte sein ledernes Säckchen mit dem Rest und verließ einigermaßen glücklich die Bank.

Das Säckchen war prall gefüllt und wog mehrere Pfund.

Für die große Manteltasche war es allemal zu wuchtig und zu schwer, deshalb legte er es in den

Fußraum seines Schlittens.

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Niklas besuchte seinen Händler noch einmal, immer noch von einigen Kindern verfolgt, welcher

gerade die neue Ware einsortierte und dessen Laden schon mehr wie ein Spielzeuggeschäft

wirkte: "Entschuldige, wegen vorhin! Die haben tatsächlich die Münze getauscht!"

Recht stolz über seine Einkünfte und den Erfolg, ließ er als Beweis dafür, sein prall gefülltes

Geldsäckchen auf den Tresen krachen.

"Habe ich dir doch gesagt!" meinte der Kaufmann, während er weiter die Sachen einsortierte.

"Brauchst du noch etwas?" fragte er Niklas.

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"Was sollte ich jetzt noch brauchen? Eigentlich habe ich so ziemlich alles." meinte Niklas.

"Hast du ein anständiges Gewehr?" fragte der Händler geschäftstüchtig.

"Ich habe meine alte Schrotflinte noch! Aber die hat mir die Hasenfelle zerfetzt und beim Essen

hat man ständig die kleinen Kugeln im Mund. Daher habe ich sie nie wieder benutzt. Ich fing

meine Hasen immer mit der Käfigfalle! Dann ist das Fell in Ordnung und das Essen besser!

Und wenn ich Hasen züchten will, dann lebt das Vieh wenigstens noch!

Die Schrotflinte verrostet langsam über meinem Bett! Wozu brauche ich ein Gewehr?

Ich brauche eigentlich nicht einmal die Schrotflinte!"

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"Wie du sicherlich bemerkt haben dürftes, kommen immer mehr Fremde in die Stadt. Die Zeiten

werden immer unsicherer. Du lebst da oben mittlerweile ganz allein. Wenn du dich also mal

selber verteidigen musst, dann könnte eines der modernen Gewehre sehr hilfreich sein!

Ich habe neulich ein ganz besonderes herein bekommen. Schau mal... !" meinte der Händler

und beendete sein Tun, um dieses besondere Gewehr zu holen.

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"Schau es dir an! 15 Schuss. Du brauchst nur immer an diesem Hebel ziehen und dann lädt es

automatisch nach. Abdrücken und PENG!"

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Niklas bestaute das Gewehr und fand es nicht schlecht, aber er wollte es nicht haben.

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"Kostet knapp 300." meinte der Händler fast beiläufig und ergänzte: "Kanst du dir doch jetzt

leisten!" Doch Niklas meinte: "Du willst wohl schnell deine Goldmünze zurück?!" und dann:

"Ich schieße nicht auf Menschen! Ich jage Tiere. Und wenn ich mich da oben verteidigen muss,

was bisher nie vorkam, dann habe ich meine Fäuste, mein Jagdtmesser und notfalls auch die alte

Flinte! Aber jetzt, wo du es erwähnst: Ich könnte noch ein paar frische Schrotpatronen gebrauchen,

meine sind mittlerweile sehr alt und wahrscheinlich recht unzuverlässig!"

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Niklas bekam eine Packung Schrotpatronen, zahlte sie und verabschiedete sich.

Dann fuhr er wieder hinauf, auf seinen Berg, nach Hause.

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In den darauf folgenden Jahren gewann der Händler Niklas immer mehr für das Spielzeuggeschäft, welches zum alljährlichen Fest die höchsten Umsätze und Gewinne für beide einbrachte.

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Niklas ließ sich überzeugen, dass er mittlerweile die jährliche Akktraktion des Marktes geworden war und zusätzlich Touristen in die Stadt lockte, die für den Aufbau und die Ausweitung der Stadt das nötige Geld dort liessen.

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Somit besorgte er sich angemessene Kleidung für entsprechende Anlässe wie der jährliche Auftritt, oder für Einladungen durch den Bürgermeister, oder auch zu Senatssitzungen, zu denen er zwar außer Vorschlägen zum Jahresmarkt nicht viel zu sagen hatte, aber zumindest ab und an durch Anwesenheit glänzen durfte.

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Kurzum: Niklas war schon bald ein reicher, angesehener Geschäftsmann.

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Trotzdem vertraute er der Bank sein Geld nicht an. Vor dem Kamin hatte er das Funken-Blech hoch genommen und eine fast unsichtbare Zugangsmöglichkeit geschaffen, indem er den Holzfußboden mit herausnehmbaren Brettchen ausstattete.

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Darunter versteckte er einen alten, eisernen Kochtopf, der sich nun immer mehr mit Goldmünzen füllte, da Niklas zum Leben trotz allem nicht so viel brauchte, wie er nun hatte.

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Anschließend verdeckte das Blech diesen kleinen Zugang zum Topf, so dass niemand zufällig über dieses Versteck stolpern können sollte.

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Nach einigen Jahren war der Topf schon halb voll und es war wieder das Jahresfest.

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Mit den vielen Touristen waren in diesem Jahr auch 3 auffällige Männer in die Stadt geritten gekommen. Sie sahen finster und ungepflegt aus, trugen lange, verdreckte Regenmäntel und verspeckte Hüte, die sie sich oft tief ins Gesicht zogen während des Stadtrundganges, als wollten sie nicht, dass man sich ihre Gesichter merke.

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Niklas ging wieder seiner zyklischen Arbeit nach.

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​Mit dem Prunkschlitten stand er nun wieder einmal vor dem Laden seines Händlers und gleichzeitigen Geschäftspartners, umzingelt von einer riesen Horde Kinder.

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Ihm war zwar auch einer der seltsamen Männer aufgefallen, der sich am Rande der Kinderschar zum Schlitten-Auftritt gesellte, aber außer "Was für ein Kinderschreck!" hatte Niklas sich nicht allzu viel Gedanken über den schmierigen Typen gemacht, der offenbar zynisch grinsend und dennoch staunend Niklas Auftritt beobachtet hatte.

Eines der Kinder hatte Niklas zugeflüstert, dass es Angst vor dem großen, schwarzen Mann hat, der nun hinter diesem Mädchen dem Schauspiel zuschaute, während Niklas das Kind auf dem Schoß hatte, um es eigentlich nach seiner jahresrückblickenden Artigkeit zu verhören, bevor es ein Geschenk kriegen sollte.

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Falls hier bald ein Bankraub stattfindet, durch solch einen verwahrlosten Typen, dachte Niklas noch bei sich, dann hat er Pech: Mein Geld ist zumindest nicht dabei!

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Und tatsächlich:

Keiner der 3 Fremden schien ein direktes Interesse am Marktgeschehen und dem Fest zu haben.

Sie erkundeten offenbar die Stadt, ihre Leute, die Geschäfte... .

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Hin und wieder fragten sie einzelne Passanten Verschiedenes wie: "Wo ist denn hier die Bank?", "Wo finde ich hier die Hufschmiede?", "Gibt es in diesem Nest auch ein Hotel?", "Wo gibt es hier eine Bar?", "Wo bekommt man hier Lebensmittel?", "Habt ihr hier auch ein Waffengeschäft?".

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Jedem stellten sie meist nur eine einzige, knappe Frage. Nicht direkt unfreundlich, aber dennoch verströmte ihre Art zu fragen jedem Gefragten gegenüber Unbehagen.

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Beim Spielzeug- u. Lebensmittelhändler kam es zu ein paar mehr Worten.

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Einer der 3 wollte Lebensmittel und Patronen kaufen und hatte Niklas Rummel vorm Laden zuvor beobachtet. Zynisch fragte er den Händler nahezu beiläufig:

"Was ist das denn da für ein armer, irrer Fettsack da draußen?" doch der Händler widersprach ganz stolz: "Der ist weder arm noch irre, das ist mein wohlgenährter Geschäftspartner."

"Und wie laufen die Geschäfte so?" fragte der unrasierte Kerl den Händler. "Na, sehr gut! Sie sehen doch was hier los ist."

"Was ist denn so besonderes an diesem Spielzeugmann? Spielzeug verschenken und einen albernen Anzug tragen kann doch jeder!" wollte der schräge Kunde wissen.

"Eigentlich verschenkt er dort nichts! Wir verkaufen die Spielzeuge zuvor an die Eltern, die die Wunschzettel ihrer Kinder kurz vorm Fest eingesammelt haben. Nur die allerärmsten Familien bekommen auch mal wirklich etwas geschenkt.

Und die sogenannte Lieferung ist seine heutige Aufgabe. Die Kinder dürfen das natürlich nicht wissen - wir haben einen geschäftlichen Mythos in Absprache mit den Eltern, Gemeinde und der Schule erschaffen, der uns hier in der Stadt auch nebenbei bei der Kindererziehung hilft.

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Ja, der heilige Niklas sieht alles! Solange die Kinder dies glauben, sind sie meistens über das ganze Jahr hinweg artig.

 

Wer unartig war bekommt hier statt eines Geschenkes die Rute... na ja, nicht ernsthaft, mehr symbolisch, wegen der Blamage vor all den anderen wirkt das zumindest etwas abschreckend."

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"Was für ein Unsinn ist das denn? Und damit kann man Geld verdienen? Dann hat der Kerl da draußen wohl ein dickes Konto und ein schönes Haus hier in der Stadt..." meinte der Fremde und der Händler erwiderte:

"Von Banken hält der Niklas nichts und von Stadthäusern schon gar nicht. Er wohnt lieber da oben einsam auf seinem Berg, weil er diesen Rummel eigentlich überhaupt nicht mag. In dem Punkt ist er vielleicht wirklich etwas sonderbar. Aber verdienen, ja, sehr gut sogar!

Das hat uns beide und die Stadt recht wohlhabend gemacht."

"Also verzockt der Dicke wohl seine Kohlen mit Mädchen und Kartenspielen..." bohrte er weiter.

Der polierende Händler schaute mit ernster Mine vom Tresen auf. "Nein, der Mann ist ein guter Christ und ein anständiges Mitglied unserer Gemeinde und des Stadtrates, selbst wenn er etwas selten zur Kirche, oder überhaupt zu uns in die Stadt kommt! Er hat schließlich auch noch viele andere Aufgaben zu bewältigen, besonders seit seine Frau tot ist. Aber vor allem stellt er diese Spielzeuge her, die sie hier überall sehen können."

"Ach..." meinte der Fremde "...herstellen tut er die Spielzeuge oben drein auch noch selber?" und der Händler:

"Mittlerweile sucht er zusätzliche Helfer. Wenn sie also mit Holz umgehen und schnitzen können, dann hätte ich einen Job für sie. Suchen sie Arbeit?" fragte er daraufhin den Fremden, während er nun weiter den Tresen polierte.

"Nein, ich bin nur auf der Durchreise! Morgen geht es weiter..." meinte der Typ, während er in Richtung Schaufenster und somit auf die verrummelte Straße blickte, doch den Rest des Satzes schien sich der Fremde zu verkneifen.

Er verließ kurz darauf den Laden mit ein paar Dosen Bohnen und 3 Schachteln Gewehrmunition.

Die Sachen verstaute er alle in seine riesigen Manteltaschen.

Nachdem diese 3 Typen die Stadt einzeln erkundet hatten, trafen sie sich gegen Abend in der Bar und tranken dort etwas, jedoch redeten sie fast nichts miteinander.

Anschließend wollten sie in einem der Hotels übernachten, dies bestätigte zumindest, neben ein paar Gästen, auch der Wirt bei den späteren Ermittlungen.

Doch ab hier verlor sich zunächst ihre Spur.

Was war geschehen? Am nächsten frühen Morgen waren diese finsteren Gesellen an der Weggabelung zur Stadt gesehen worden, doch sie verließen sie indem sie rechts abbogen, anstatt links.

Sie ritten in Richtung Berge, dort, wo auch Niklas Hütte stand.

Etwa eine Stunde später konnte man schwarzen Rauch aufsteigen sehen.

Ein paar besorgte Leute beschlossen zu Niklas Hütte zu reiten, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Dort angekommen bestätigten sich ihre schlimmsten Befürchtungen.

Die Tiere waren alle abgeschlachtet, die Hütte brannte lichterloh und im Eingang lag rücklinks, mit großem Loch in der Brust, die schon angekokelte Leiche des Hausherrn.

Man beschloss diesen grausigen Fund nicht publik werden zu lassen, da dieses Ende des Niklas dem alljährlichen Geschäftstreiben schaden würde.

Da Niklas eigentlich sehr wohlhabend gewesen war, stellte sich nun auch die Frage nach dem Verbleib seines Vermögens. Es wurde nie gefunden. Offenbar handelte es sich also um Raubmord.

Die Tatverdächtigen wurden nie wieder in der Stadt gesehen und auch sonst nicht gestellt.

Für die jährliche Festlichkeit wurde ein Niklas-Double angagiert, damit auch künftig alles wie gewohnt, für jung und alt, wie in jedem Jahr zuvor, ablaufe.

So wurde Niklas sozusagen unsterblich und wir kennen ihn auch heute noch und nennen ihn den Weihnachtsmann...

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